Die Ausstellung

Wer sich mit Beuys befasst, wird viele Fragen stellen und viele Antworten finden. Beuys, einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, entzieht sich einem schnellen Zugriff. Zu umfassend, zu schillernd, zu irritierend erscheint das Gesamtwerk, das in diesem Jahr zum 100. Beuys-Geburtstag weltweit in besonderer Weise aufgeblättert wird. Neben dem Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen, dem Beuys-Stammland, verteilen sich zahlreiche Ausstellungen über Deutschland und die Welt. Die einzige im Norden präsentiert die Kunsthalle der Sparkassenstiftung Lüneburg.

Diese Ausstellung zeigt, wie es ihr Titel bewusst schlicht sagt, Plakate und Multiples; eine Reihe von Werkfotos kommt ergänzend hinzu. Möglich wird eine Annäherung an Beuys, den Zeichner, Bildhauer, Aktions- und Installationskünstler, den Lehrer, Politiker und Aktivisten, den Kosmopoliten, Schamanen und den als Scharlatan Geächteten. Gerade die Plakate wenden sich mit der Vielfalt ihrer Themen und Gestaltungen gegen eine Tendenz, der Komplexität eines künstlerischen Gesamtwerks mit einer Verschlagwortung zu begegnen. Der Versuch, Joseph Beuys formelhaft zu begegnen, muss scheitern. Und doch wird er gern auf diesen einen Satz verschlankt: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Beuys, Romantiker und Realist, drehte mit dieser Formel einen Novalis-Satz weiter, dem zufolge jeder Mensch ein Künstler sein sollte.

Beuys erweitert mit seinen Ansätzen, die kreative Kraft jedes Einzelnen zu mobilisieren, bis heute das Bewusstsein von dem, was Kunst sein kann und aus seiner Sicht sein muss. Die Untrennbarkeit von Kunst und Leben zielt immer auf eine Verbesserung der sozialen Gemeinschaft.

Was können Werk und Wirken von Beuys 35 Jahre nach seinem Tod bedeuten? Sicher, der Faktor Zeit verändert die Wahrnehmung. Was zu Lebzeiten eines Künstlers oft als Hervorbringung eines Provokateurs attackiert wurde, erfährt durch den zeitlichen Abstand allzu oft eine gelassene, distanzierte Betrachtung. Damit einher geht die Gefahr einer Verkonsumierung und Verflachung. Wen provoziert noch ein schwarzes Kreuz von Malewitsch, wen erregt ein Fahrrad-Rad-Readymade von Duchamp?

So leicht macht es Beuys auch 35 Jahre nach seinem Tod den Betrachtern nicht. Beuys taugt nicht als Denkmal, sondern als „Denk mal!“. Seine Setzungen und Positionen erweisen sich über weite Strecken als zeitlos – bis auf Weiteres. Beuys’ Themen sind noch immer und bleiben unsere Themen, von direkter Demokratie bis Umweltschutz. Zu Aktionen wie „7000 Eichen“ sagte Beuys, dass Kunst die einzige Form sei, in der Umweltprobleme gelöst werden können. Anders gesagt: An der immerwährend Kreativität fordernden „sozialen Skulptur“, um eine zweite Beuys-Verschlagwortung zu nennen, gibt es noch viel zu hämmern, zu schrauben und zu streiten.

Die Ausstellung in der Kunsthalle der Sparkassenstiftung fügt sich in eine Reihe ein, mit der Schlaglichter auf bedeutende Künstlerinnen und Künstler der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart geworfen werden. Zu nennen sind etwa Jörg Immendorf, Annegret Soltau, Markus Lüpertz und die Werkstatt Rixdorfer Drucke aber auch der Grafiker Günther Kieser sowie Aubrey Powell und Storm Thorgerson der legendären Agentur Hipgnosis.

Bis auf wenige Leihgaben stammen alle Ausstellungsstücke aus dem Kunstarchiv der Sparkassenstiftung Lüneburg.