Joseph Beuys

Plakate


Fast alle Plakate erwecken den Eindruck, von Beuys persönlich geschaffen worden zu sein, obwohl sie von verschiedenen Entwerfern stammen. Dieses Phänomen, das man als personenübergreifende ‚Beuys-Ästhetik‘ bezeichnen könnte, rührt daher, dass sich die Gestalter in der Regel des Beuys’schen Motivfundus bedienten: Porträtfotos sowie Wiedergaben seiner charakteristischen Zeichnungen, Gegenstände, Materialien und Symbole fanden wiederholt Verwendung. Einzelelemente seines Repertoires wurden collageartig zusammengefügt und mit Text versehen. Auch farblich orientierten sich die Gestalter an der Ästhetik des Künstlers: Statt plakativbunter Farbigkeit, wie sie in den 60er und 70er Jahren vorherrschte, dominieren bei Beuys- Plakaten Schwarzweiß-Fotografien in Kombination mit gedämpften Braun- und Grüntönen.
In der Gesamtschau verraten die Plakate, dass der Beuys’sche Motivfundus wie ein Markenzeichen funktionierte. Jedes auf den Plakaten abgebildete Detail verweist auf Beuys, ganz in dem Sinne, wie er es selbst einmal formulierte: „Wenn jemand meine Sachen sieht,
dann trete ich schon in Erscheinung.“

Text: Isabel Siben (2004)